Kerzen richtig lagern: Hitze und Zugluft verursachen Formfehler
Kerzen sind empfindlicher, als viele annehmen. Wer sie im Sommer auf der Fensterbank liegen lässt oder im Winter direkt über der Heizung aufbewahrt, wird früher oder später feststellen, dass sich der Wachskörper verbogen hat. Ursache ist die Physik: Paraffin und Stearin reagieren bereits bei Temperaturen ab etwa 30 Grad Celsius mit einer Veränderung ihrer Struktur. Das Material wird weich, verliert seine Formstabilität und nimmt jene Verformung an, die durch die Schwerkraft oder durch einseitigen Druck vorgegeben wird. Besonders problematisch ist direkte Sonneneinstrahlung, weil sie Kerzen nicht gleichmäßig erwärmt. Die dem Licht zugewandte Seite erwärmt sich stärker, die Rückseite bleibt kühler. Diese Temperaturdifferenz führt zu Spannungen im Wachs und begünstigt das Durchbiegen.
Zugluft ist der zweite unterschätzte Faktor. Sie klingt harmlos, weil sie keine Wärme erzeugt, doch sie beschleunigt das Austrocknen der Oberfläche. Ein Luftzug, der über eine Kerze streicht, entzieht dem Wachs kontinuierlich Feuchtigkeit und kühlt es zugleich ungleichmäßig ab. Die Folge sind Risse, poröse Stellen und ein instabiler Kern. Wer Kerzen in der Nähe eines offenen Fensters, eines Ventilators oder einer Klimaanlage aufbewahrt, riskiert genau jene Schäden, die sich später kaum noch korrigieren lassen. Entscheidend ist deshalb ein Lagerort mit konstanter Temperatur zwischen 15 und 20 Grad Celsius, ohne direkte Sonneneinstrahlung und ohne Luftbewegung. Ein geschlossener Schrank im Innenraum erfüllt diese Bedingungen in der Regel zuverlässig.
Sollte sich eine Kerze trotz sorgfältiger Lagerung verbogen haben, ist sie nicht verloren. Man kann verbogene Kerzen mit lauwarmem Wasser begradigen, indem man sie kurz eintaucht und anschließend vorsichtig in die gewünschte Form rollt. Wichtig ist dabei, das Wasser nicht zu heiß zu wählen, weil sonst die Oberfläche aufreißt oder Farbschichten abblättern. Auch der Druck beim Rollen muss gleichmäßig und behutsam erfolgen. Wer zu schnell arbeitet, drückt Dellen in den Wachskörper, die sich nicht mehr ausgleichen lassen. Nach dem Formen sollte die Kerze auf einer ebenen, kühlen Unterlage vollständig aushärten, bevor sie erneut bewegt wird.
Vorbeugung bleibt dennoch der beste Schutz. Kerzen gehören nicht in die Nähe von Heizkörpern, Kochfeldern oder offenen Kaminen. Auch der Dachboden ist ungeeignet, weil sich dort im Sommer die Hitze staut. Wer seine Bestände sortiert, sollte schwere Kerzen unten und leichte oben lagern, damit kein Druck entsteht. Zwischen einzelnen Exemplaren hilft eine Lage Seidenpapier oder Luftpolsterfolie, um Kratzer und Verformungen zu vermeiden. So bleibt die Form erhalten, und die Kerze brennt später gleichmäßig ab, ohne zu tropfen oder zu rußen.