Wände streifenlos streichen: Untergrund und Rolltechnik
Ein gleichmäßiges Farbergebnis an der Wand hängt weniger von der teuren Farbe ab als von der Vorbereitung des Untergrunds. Wer direkt auf einen alten, kreidenden oder glänzenden Anstrich rollt, produziert fast zwangsläufig Streifen und unterschiedliche Saugstellen. Der erste Schritt ist deshalb immer eine gründliche Reinigung. Staub, Fett und Nikotinablagerungen bilden eine Trennschicht, die die neue Farbe nicht sauber annimmt. Anschließend sollte der Untergrund angeschliffen werden, bei stark glänzenden Lacken mit Schleifpapier der Körnung 120 bis 180. Danach folgt das Abstauben, am besten mit einem feuchten Tuch oder einem Staubsauger mit Bürstenaufsatz. Unebenheiten, Risse und Löcher werden mit Spachtelmasse gefüllt und nach dem Trocknen verschliffen. Ein Tiefengrund oder eine Grundierung gleicht die Saugfähigkeit aus und sorgt dafür, dass die Deckfarbe nicht an manchen Stellen sofort einsinkt. Besonders bei stark saugenden Untergründen wie Kalkputz oder Rigips lohnt sich dieser Schritt, weil sonst die erste Schicht fleckig trocknet.
Die richtige Rolltechnik entscheidet darüber, ob die Fläche am Ende homogen wirkt. Zunächst wird die Farbe im Eimer oder in der Wanne mit einem Quirl gleichmäßig durchgerührt, damit Pigmente und Bindemittel nicht getrennt bleiben. Die Rolle wird satt eingetaucht und auf dem Abstreifgitter abgerollt, bis sie gleichmäßig getränkt ist, aber nicht tropft. Dann wird die Farbe in Bahnen von etwa einem Meter Breite aufgetragen, und zwar in einem Winkel von 45 Grad, gefolgt von einer zweiten Schicht im rechten Winkel dazu. Dieses Kreuzmuster verhindert, dass sich einzelne Bahnen als Streifen abzeichnen. Wichtig ist, immer nass in nass zu arbeiten, also keine Bahn antrocknen zu lassen, bevor die nächste daneben gesetzt wird. Wer sich unsicher ist, welche Rolle und welche Farbqualität zusammenpassen, findet bei einem Vergleich der Deckkraft und Farbtöne im Vergleich hilfreiche Orientierung, bevor der erste Eimer gekauft wird. Für gleichmäßige Deckkraft sind zwei dünne Schichten meist besser als eine dicke, weil die zweite Schicht die erste sauber überdeckt und kleine Fehler ausgleicht.
Zwischen den Anstrichen muss die Trockenzeit eingehalten werden, die auf dem Farbeimer angegeben ist. Bei wasserbasierten Dispersionsfarben sind das meist vier bis sechs Stunden, bei kühler und feuchter Luft auch länger. Zu frühes Überstreichen führt dazu, dass die erste Schicht aufgerollt wird und sich unschöne Ränder bilden. Vor dem zweiten Anstrich lohnt ein kurzer Blick auf die Wand: kleine Unebenheiten lassen sich mit Schleifpapier oder einem feuchten Schwamm glätten. Auch die Rollrichtung sollte beibehalten werden, damit das Licht gleichmäßig reflektiert. Am Ende bleibt die Wand nicht nur streifenfrei, sondern wirkt auch farblich tiefer und satter, was vor allem bei kräftigen Tönen auffällt. Wer diese Reihenfolge einhält, spart sich den zweiten oder dritten Korrekturanstrich und hat länger Freude am Ergebnis.