Tunnelbildung und Luftlöcher in selbstgegossenen Kerzen
Selbst gegossene Kerzen sehen in der Theorie simpel aus: Wachs schmelzen, Docht fixieren, eingießen, abkühlen lassen. In der Praxis tauchen dann nach dem Erstarren Hohlräume, trichterförmige Vertiefungen und feine Luftkanäle auf, die das Abbrennverhalten ruinieren. Diese Fehler entstehen nicht zufällig, sondern folgen physikalischen Gesetzmäßigkeiten, die sich mit etwas Geduld und den richtigen Handgriffen beherrschen lassen. Wer die Ursachen kennt, kann gezielt gegensteuern und Ausschuss vermeiden.
Die häufigste Ursache für Tunnelbildung ist eine zu schnelle Abkühlung. Wachs zieht sich beim Erstarren zusammen, und zwar je nach Sorte um sechs bis zwanzig Prozent seines Volumens. Kühlt die Kerze zu rasch ab, etwa an einem zugigen Fenster oder im Kühlschrank, erstarrt die Außenschicht zuerst, während der Kern noch flüssig ist. Beim Nachziehen entstehen im Inneren Hohlräume, und an der Oberfläche bildet sich ein Krater rund um den Docht. Genau an dieser Stelle setzen viele Anleitungen an, die Einfallstellen am Docht und der zweite Guss werden dort als zusammenhängender Arbeitsschritt behandelt. Ein zweiter Guss mit etwas heißerem Wachs füllt den Krater auf und stellt eine ebene Oberfläche her, sofern er rechtzeitig erfolgt.
Luftlöcher haben andere Wurzeln. Beim Rühren und Umfüllen gelangen mikroskopisch kleine Luftblasen in die Schmelze, die bei niedriger Viskosität kaum aufsteigen können. Zu kaltes Wachs, hektisches Gießen aus großer Höhe oder ein unruhiger Strahl verstärken den Effekt. Auch ein Docht, der vor dem Gießen nicht vorgewärmt oder nicht ausreichend gespannt wurde, trägt dazu bei: Um ihn herum sammelt sich Luft, die später als Blase sichtbar wird. Abhilfe schafft langsames Gießen an der Innenwand des Gefäßes, kurzes Ruhenlassen vor dem Abkühlen und ein Docht, der senkrecht fixiert bleibt, bis das Wachs vollständig fest ist.
Die Vermeidung beginnt also lange vor dem eigentlichen Guss. Wachs langsam und gleichmäßig auf die empfohlene Temperatur bringen, nicht überhitzen, Gefäße vorwärmen und den Abkühlprozess bei Raumtemperatur ablaufen lassen. Große Kerzen brauchen mehrere Stunden, kleinere mindestens eine. Wer nach dem ersten Erstarren einen zweiten Guss vornimmt, schließt Krater zuverlässig und erhält eine glatte Oberfläche. Kontrollieren lässt sich das Ergebnis am einfachsten, indem man die Kerze nach dem vollständigen Aushärten einige Millimeter anschneidet und die Schnittfläche prüft. Sind keine Hohlräume sichtbar, war die Temperaturführung korrekt.